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Interview mit dem 1. Vorsitzenden des Neusser EV, Andreas Schrills.

"Wir positionieren uns auch in Zukunft als Ausbildungsverein"


Die vergangenen Tage zählten sicherlich zu den turbulentesten in der gesamten Geschichte des Eishockeysports. Nahezu alle bedeutenden Ligen der Welt stellten den Spielbetrieb ein oder unterbrachen diesen zumindest. Auch der Neusser EV war betroffen von dieser Entwicklung, für alle Mannschaften hieß es: Saisonende. NEV-Medienbeauftragter Daniel Babic sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Andreas Schrills über das vorzeitige Saison-Aus, die künftige Vereinsausrichtung und was es bedeutet, schon ein Leben lang mit einem Club verbunden zu sein.


Daniel Babic: Andreas, die Deutsche Eishockey Liga war bundesweit die erste Spielklasse, die wegen der Coronavirus-Thematik die Saison abbrach. Der Landesverband NRW zog einen Tag später nach. Kam das zu diesem Zeitpunkt für Dich noch überraschend?

Andreas Schrills: Die Geschwindigkeit der Entwicklungen in den vergangenen Tagen war in dieser Form sicherlich nur bedingt vorhersehbar. So ein abruptes Saisonende hätten wir weder unseren Fans, noch allen Aktiven gewünscht. Aber natürlich war die Absage des Spielbetriebs in den Landesverbänden nach der DEL und DEL2 die logische und einzig sinnvolle Konsequenz. Mit der frühzeitigen Einstellung unseres Trainingsbetriebs letzte Woche Freitag sind wir zudem der Verantwortung für unsere Spielerinnen und Spieler sowie Mitglieder und Angehörigen nachgekommen.


DB: Dadurch, dass fast keine der Ligen ihren Spielplan komplettieren konnte, wurden weder bei den Senioren, noch im Nachwuchsbereich Auf- und Absteiger ermittelt. Gibt es schon Informationen, auf welcher Grundlage die Ligenzusammensetzung der kommenden Saison festgelegt werden soll?

AS: Bisher gibt es dazu noch keine offiziellen Informationen seitens des Landesverbands. Aber ich bin mir sicher, dass hierzu in den nächsten Wochen noch ein konstruktiver Austausch des Verbands mit allen Vereinen stattfinden wird, um gemeinsam zu einer sinnvollen und leistungsgerechten Ligeneinteilung zu kommen. Im Nachwuchs gibt es auf Landesverbandsebene ja schon seit einigen Jahren Melde-Ligen, bei der die sportliche Qualifikation nur bedingt eine Rolle spielt.

DB: Was die 1. Mannschaft des NEV betrifft, hattest Du letzte Woche auf den 28. März 2020 verwiesen, für den das nächste Treffen aller West-Regionalligisten angesetzt war.

AS: Ja, verständlicherweise musste inzwischen aber auch diese Arbeitstagung wegen der Corona-Problematik abgesagt werden. Wir hoffen hier zeitnah auf eine alternative Lösung.Laut Tagesordnung war eine Aussage aller Vereine zum Verbleib oder Ausscheiden aus der Regionalliga gefordert. Insofern erhoffe ich mir natürlich, dass nun bald alle Vereine auf anderem Weg die Möglichkeit erhalten, klar Stellung zu beziehen, sodass Verband und Vereinsoffizielle im Anschluss eine gewisse Planungssicherheit für die kommende Saison haben.

DB: Mit der Trennung von Daniel Benske habt Ihr bereits die erste richtungsweisende Entscheidung für die NEV-Zukunft getroffen, einhergehend mit einer sportlichen Neuausrichtung im Seniorenbereich. Was ist darunter zu verstehen?

AS: Wie bereits in der Presseinfo zur Trennung von Daniel mitgeteilt, beobachten wir die sportliche und somit auch wirtschaftliche Entwicklung der Regionalliga West für unseren Standort mit äußerster Sensibilität. In der abgelaufenen Saison haben sich vier Vereine sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich deutlich von den anderen Regionalliga-Clubs abgesetzt. Die Tatsache, dass im vergangenen Sommer mit Lauterbach, Soest und Frankfurt gleich drei Vereine aus der Regionalliga ausgeschieden sind und kein Verein als Nachrücker gefunden werden konnte, macht deutlich, dass die Rahmenbedingungen zum Bestehen in dieser Liga für die meisten Vereine derzeit nur unter extremen Anstrengungen zu realisieren sind. Da wir uns als Neusser EV ganz klar als Ausbildungsverein positionieren, wollen und werden wir diese Entwicklung nicht weiter mittragen, um den Nachwuchsbetrieb auch in Zukunft wirtschaftlich nicht zu gefährden. Insofern hängt die sportliche Neuausrichtung des NEV - und damit auch die Ligenzugehörigkeit - natürlich sehr stark von einer aus unserer Sicht dringend notwendigen Ligenreform ab.

DB: Kaum ein Name verkörpert so sehr das Eishockey in unserer Stadt wie Deiner. Du hast über 20 Jahre lang für Neuss gespielt, anschließend den Nachwuchs trainiert und in den letzten sechs Jahren den Verein im Vorstand geführt. Bereits bei der letzten Mitgliederversammlung hattest Du angekündigt, Dich im Sommer nicht mehr zur Wahl zu stellen, das Gleiche gilt für Deine Vorstandskollegen Sven Klein und Thomas Schiffer. Warum muss man sich trotzdem keine Sorgen um die Zukunft des Vereins machen?

AS: Zunächst einmal ist der Neusser EV sowohl wirtschaftlich als auch strukturell sehr gut aufgestellt. Wir verfügen über einen guten und erfolgreichen Nachwuchs als Basis und werden den Verein im Sommer mit soliden finanziellen Rücklagen an unsere Nachfolger übergeben. Zudem haben wir durch die frühzeitige Ankündigung der Änderungen in der Vereinsführung ausreichend Zeit für einen fließenden wie reibungslosen Übergang. So arbeiten wir bereits seit Wochen gemeinsam mit unseren designierten Nachfolgern an den Planungen für die kommende Saison. Mit Udo Tursas, bislang Co-Trainer unserer 1. Mannschaft, konnten wir einen geeigneten Kandidaten für die Position des Vereinsvorsitzenden gewinnen. Udo ist bereits seit einigen Jahren in Neuss verwurzelt, kennt die Eishockeyszene seit Jahrzehnten in- und auswendig und ist in dieser überaus gut vernetzt. Des Weiteren werden meine Kollegen und ich den NEV nach der Amtsübergabe ja auch nicht verlassen, sondern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. So werden wir beispielsweise einige langfristige Projekte, die von uns auf den Weg gebracht worden sind, gemeinsam mit dem neuen Vorstand auch künftig begleiten und vorantreiben. Darüber hinaus bleibe ich dem Verein selbstverständlich auch weiterhin als Nachwuchstrainer erhalten.
Abschließend wünsche ich allen Spielerinnen und Spielern, Trainern, Mitgliedern, Fans, Helfern und Partnern des Neusser EV eine erholsame, wenn auch nun leider etwas verlängerte Sommerpause. Geben Sie auf sich und Ihre Mitmenschen acht und bleiben Sie gesund!

DB: Vielen Dank für das Gespräch!

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